Jeder braucht einen Engel

Nachricht 20. Februar 2018

Inklusiver Gottesdienst mit hörenden Augen und himmlischen Wesen

Am 18. Februar, dem ersten Sonntag in der Passionszeit, war die Gehörlosengemeinde in der Jakobuskirche zu Gast, um mit den Besuchern einen inklusiv gestalteten Gottesdienst zu feiern. Dabei wurden alle mit einbezogen – Hörende und Nichthörende –, und Lieder wurden gesungen, gebärdet und zum Mitlesen auf eine Leinwand projiziert. Denn gehörlose Menschen „hören“ mit den Augen. Beteiligt an dem besonderen Gottesdienst, der unter der Überschrift „Jeder braucht einen Engel“ stand, waren Pastor Bernd Klein, Gehörlosenseelsorger der hannoverschen Landeskirche, Pastorin Kristin Winkelmann, Maren Mittelberg, Inklusionsbeauftragte für den Kirchenkreis Osnabrück, und der Gebärdenchor.

Die gesprochene und gebärdete Predigt von Pastor Klein war auch für die hörenden Gottesdienstteilnehmer sehr eindrücklich, denn die Worte wurden durch die Gebärden noch unterstrichen und so verstärkt. Im Mittelpunkt der Predigt standen Engel – himmlische Wesen, die sich manchmal auch in Menschengestalt zeigen. „Vergesst nicht, Gastfreundschaft zu üben, denn auf diese Weise haben einige, ohne es zu wissen, Engel bei sich aufgenommen“, zitierte Pastor Klein den Hebräerbrief, Kapitel 13, Vers 2. Und so kann es schon mal vorkommen, dass ein Engel vor der Tür steht und man merkt es nicht. Doch wo ein Mensch zum Engel wird, zuhört, wo jemand über seine Sorgen sprechen möchte, teilt, wo andere der Hilfe bedürfen, und anpackt, wo es nötig ist, kann er die Welt zum Guten verändern. Was es hierfür braucht? „Das Herz auf dem rechten Fleck“, so Pastor Klein. Als Symbol hierfür erhielten die Gottesdienstteilnehmer eine kleine Holzfigur mit einem großen roten Herz auf der Vorderseite. „Wenn man die Holzfigur nun umdreht, wird sie zum Engel“, erklärte der Gehörlosenseelsorger. Und tatsächlich: Betrachtet man die Figur von hinten, werden aus dem roten Herz zwei engelsgleiche Flügel.

Jeder Mensch mit dem Herzen auf dem rechten Fleck kann zum Engel werden – und so die Welt zum Guten verändern

Gehörlosenseelsorge

Zuständig für die Gehörlosenseelsorge der hannoverschen Landeskirche im Bereich West ist Pastor Bernd Klein. Pastor Klein betreut die Gemeinden in Syke, Nienburg, Stolzenau, Rinteln und Osnabrück. In Osnabrück feiert die Gebärdensprachliche Gemeinde regelmäßig am ersten Sonntag im Monat um 14:30 Uhr Gottesdienst im Gemeindehaus der Pauluskirche an der Wesereschstraße 76.

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Kontaktstelle Inklusion

Inklusion bedeutet die gleichberechtigte Teilhabe aller Menschen – ob mit oder ohne Behinderung – an der Gesellschaft. Dabei geht es nicht um die Integration von „Ausgegrenzten“, sondern darum, von vornherein allen Menschen die uneingeschränkte Teilnahme an allen Aktivitäten möglich zu machen. Dieser Leitgedanke spielt auch in der evangelischen Kirche eine große Rolle und wird in Osnabrück durch die Kontaktstelle Inklusion mit Leben gefüllt.

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